Stadtverwaltung Kitzscher

Geschichtliches zur Freiwilligen Feuerwehr Kitzscher

Im Oktober 1865 unterzeichnetet von H. v. Witzleben, königlicher Friedensrichter und Gutsherr auf Kitzscher, für den Fall eines Feuers im Orte, treten die Bestimmungen der Dorffeuerlöschordnung vom 18. Februar 1775 in Wirksamkeit und desselben allenthalben pünktlich nachzugehen.

Nachzulesen in der damaligen Dorffeuerlöschordnung § 2

Könnte dies der ausschlaggebende Nachweis sein, dass es bereits 1775 eine Feuerwehr in Kitzscher gab? Männer die sich in welcher Organisationsform auch immer dem Feuerschutz widmeten? Wir wissen es leider nicht! Genauere Aufzeichnungen wurden nicht gefunden. Einziger Nachweis ist, dass es zum damaligen Zeitpunkt 1865 eine Pflichtfeuerwehr gab. Alle wehrfähigen Männer im Alter von 18 - 50 Jahren waren zum Dienst verpflichtet. Zur Ausrüstung der Pflichtfeuerwehr etwa um 1900 gehörte schon eine Kastenspritze mit 200 m Schlauch, Segeltucheimer und eine Leiter.

Im August 1902 bildete die Gemeinde mit dem Rittergut einen Feuerlöschverband. Die Gerätschaften waren im alten Spritzenhaus untergebracht. Es stand im Altdorf gegenüber dem Winklerschen Haus an der Friedhofsmauer. Die Feuerwehrmänner wurden durch Glockenläuten oder durch Herrn Fritz Raabe mittels Hornsignal alarmiert. Erst 1940, auch unter den Bedingungen die sich für den Ort aus den Geschehnissen des 2. Weltkrieges ergaben, wurden Verbesserungen des Feuerschutz angestrebt. Der damalige Bürgermeister, Herr Quaas, gab in einem Schreiben vom 5. September 1940 bekannt, das in Kitzscher in keiner Weise ein organisiertes Löschwesen besteht. Die Entwicklung der Gemeinde auf eine Einwohnerzahl von 570 bedingt, musste diesem Mangel umgehend Abhilfe geschaffen werden. Er aktivierte vor allem Männer mit technischem Verständnis und Fähigkeiten. Die Führung wurde dem Spritzenmeister Schilde übertragen. Aus der Mannschaftsliste sind noch die Namen von Max Bahndorf, Robert Mitzinger, Herbert Quellmalz, Schirrmeister Rudolf Mehlhorn und Willi Klein bekannt.

Die Absicht aus der noch bestehenden Pflichtfeuerwehr in eine Freiwillige Feuerwehr umzuwandeln wurde am 29. März 1941 in die tat umgesetzt. Die Gründungsversammlung fand 20:00 Uhr im Gasthof „Zum Wilden Mann" statt. Die einsetzende Entwicklung in Kitzscher machte demzufolge eine leistungsfähigere Feuerlöschtechnik erforderlich. Die Anschaffung einer Kraftspritze war notwendig, aber durch den Krieg waren immer längere Wartezeiten das übel. Ob die Kraftspritze noch vor Kriegsende jemals in Kitzscher ankam, konnte bis heute nicht mit hundertprozentiger Sicherheit in Erfahrung gebracht werden.

Nach dem 2. Weltkrieg im Jahr 1945 durfte die Feuerwehr keine Uniformen tragen. Die Floriansjünger von damals wurden dazu verpflichtet, auf Anordnung der alliierten Siegermächte über Deutschland, eine rote Armbinde mit der Aufschrift; M.G.- Fireman.

Mit dem Abriss des Schlosses und des alten Spritzenhaus verlor die Feuerwehr ihren Einstellplatz für die Löschgeräte. Ein neuer Standort wurde mit der zeitgleichen Fertigstellung der Schule, dem heutigen Rathaus in der Ernst - Schneller - Straße in Kitzscher gefunden. Auf deren Dach befand und befindet sich immer noch die Sirene. Hier war nun für viele Jahre das Domizil der Feuerwehr Kitzscher. Auch das Feuerwehrauto, ein Opel Blitz, fand in dem heutigen Heimatmuseum im Ratskeller seinen Unterstand. 1965 wurde der Opel durch einen modernen ROBUR (LO) ausgetauscht. Durch die Bildung des Gemeindeverbandes in 1974 - 1975, sowie der Eingemeindung von Dittmannsdorf und Thierbach und Stadtrechtverleihung, vergrößerte sich die Wehr und deren Technik.

1978 wurde für die Feuerwehr im Neubaugebiet Kitzscher ein neues Gerätehaus mit Sanitärräumen und Schulungsraum sowie 2 Stellplätze für den ROBUR und das neue Tanklöschfahrzeug TLF-W50 gebaut. Trotz dieser Verbesserungen gab es aber auch große Schwierigkeiten zu meistern. So fehlte es für die Tageszeit von 06:00 - 17:00 Uhr an aktiven Einsatzkräften zur Absicherung der Einsatzbereitschaft. Um dem entgegen zu wirken, wurde für beitrittswillige männliche Bürger ein Garagenbauplatz zugesichert. 20 Neuanmeldungen wurden registriert. Letztenendes war es aber auch ein Verdienst des damaligen Wehrleiters Günter Schulze, sowie dem auflebenden Kameradschaftsgeist ausschlaggebend für den Wiederanstieg der Mitgliederzahlen.

Der politische Umbrauch 1990 ging auch an der Feuerwehr Kitzscher nicht spurlos vorbei, es mussten persönliche, familiäre und berufliche Veränderungen verarbeitet werden. Es kamen Forderungen im Bezug auf gesundheitliche und fachliche Voraussetzungen auf die Kameraden im abwehrenden Brandschutz. Die Feuerwehr Kitzscher hat das alles mit Bravour überstanden.

1992 wurde erstmals nach dem politischen Umbruch eine neue Wehrleitung gewählt. Zum Wehrleiter ernannten die Mitglieder der FF Kitzscher den Kameraden Hans Neumann. Seine Stellvertreter waren Siegfried Ruth und Jörg Berthold.

Ein besonderer Höhepunkt war zum 50 jährigen Feuerwehrjubiläum im September 1991 die Übernahme eines neuen Löschfahrzeuges vom Typ Mercedes LF16 / TS vom Bundesamt für Katastrophenschutz. Im Juni 1996 gründete sich als Nachfolge der ehemaligen AG Brandschutzhelfer in Kitzscher eine neue Jugendfeuerwehr. Mit 5 Jungen und 1 Mädchen begann das Jugendprojekt der Freiwilligen Feuerwehr unter der Leitung von Kamerad Günther Knoth. Bis zum ersten Gründungsjubiläum waren alle Jugendlichen mit kompletter Jugendfeuerwehrbekleidung ausgerüstet.

1998 waren mit der Eingemeindung von Trages und Hainichen neue Einsatzkräfte zur Feuerwehr Kitzscher gestoßen.

Ein weiterer Höhepunkt für die Einsatzkräfte der Feuerwehr Kitzscher war die Planung und der Bau eines gemeinsamen Gerätehauses am Rande des Neubaugebiets in der Leipziger Straße. Am 03. Juli im Jahre 2000 war es geschafft, mit einer feierlichen Übergabe zogen die Kameraden aus Kitzscher, Dittmannsdorf, Thierbach und Hainichen in das neue Gebäude ein. Die alten Gerätehäuser in Kitzscher, Dittmannsdorf, Thierbach und Hainichen waren wegen deren schlechten baulichen Zustands geschlossen worden. Lediglich der Zug Trages, am nördlichsten Zipfel von Kitzscher stationiert, hat seinen angestammten Standort behalten.

Die Kameradinnen und Kameraden der ehemaligen Brandschutzgruppe sind in eine Alters- und Ehrenabteilung aufgenommen worden, welche die freiwillige Feuerwehr Kitzscher auch weiterhin bei Veranstaltungen unterstützt.

Nach dem Umbruch haben sich die Aufgaben in der Feuerwehr erweitert, sodass zu Verkehrunfällen mit und ohne Personenschaden, zu technischen Hilfeleistungen bei Hochwasser, Sturm, Windbruch, Tierrettung und unterschiedliche Brandeinsätze ausgerückt wird. Die Voraussetzung dafür war natürlich die Anschaffung von neuer Technik. Noch wichtiger aber sind die Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule in Nardt, um Rettungsgerät- Schere / Spreizer, Belüftungsgerät, Kettensägen und Süffelpumpen richtig bedienen zu können. Im Laufe der Jahre hat sich die Feuerwehr personell stabilisiert. Weitere moderne Löschfahrzeuge ( TLF 16 / 25 ) und seit 2011 auch ein TSF-W / Z sind Bestandteil der Feuerwehr Kitzscher. Durch qualifizierte Schulungen und Lehrgänge auf Kreisebene und an der LFS-Nardt ist der Ausbildungsstand auf sehr hohem Niveau. Ein weiterer Aspekt ist die vorbildliche gesundheitlich Vorsorge der Einsatzkräfte, denn unter schwerem Atemschutz ist Fitness und Gesundheit oberstes Gebot.

Dies alles ist ausschlaggebend, dass in den letzten Jahren viele Jugendliche den Weg zur Feuerwehr Kitzscher gefunden haben.

Das heißt aber nicht, dass wir keinen Nachwuchs mehr brauchen. Im Gegenteil, wer Lust und Liebe hat und sich für die Arbeit in der Feuerwehr interessiert, sollte sich im Ordnungsamt des Rathauses oder im Feuerwehrgerätehaus in der Leipziger Straße 2 melden.

Jeder ist herzlich willkommen.

Bürger die im Besitz von Bildern und anderen Niederschriften zur Geschichte der Feuerwehr Kitzscher werden gebeten diese Leihweise der Wehrleitung der Feuerwehr Kitzscher zur Verfügung zu stellen, dafür bereits im Voraus ein recht herzliches ‚Danke‘.

Brandinspektor
Hans Neumann
(Wehrleiter)

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